Konrad Plüsch, Direktor des Konrad-Plüsch-Theaters, das von ihm in der fünften Generation geleitet wird, ist gelinde gesagt, sehr leicht reizbar. Um ehrlich zu sein, ist er ein ziemlicher Choleriker, der in seinem Theater die zugegeben meist unfähig agierende Truppe zusammenstaucht.
Wie viele andere Menschen hat auch Herr Plüsch seine ganz eigene Art zu fluchen, besser gesagt, seinen eigenen Spruch, der sein Markenzeichen ist und gleichsam auch einen Bezug zur Theaterwelt herstellt. Wie schon die Überschrift dieses Artikels vermuten lässt, lautet dieser Spruch: „Da brennt doch die Kulisse!“
Im Laufe des Lustspiels werden Sie eben diesen fünfzehnmal aus dem Munde des Herrn Theaterdirektors hören können.
Jedoch muss der anfangs genannte Verwendungszweck dieses Ausrufs ein wenig erweitert werden. So wird er zwar bevorzugt bei Wutausbrüchen oder in abgeschwächter Weise bei kleineren Ärgernissen verwendet, doch eben auch bei großem Erstaunen und einmal selbst bei schwärmerischer Entzückung.
Die Vorstellung eines Kulissenbrandes dient also als Kommentar für etwas Unerwartetes.
Doch woher nimmt Konrad Plüsch dieses Bild der in Flammen stehenden Kulisse? Handelt es sich um reine Fiktion oder steht eine „lodernde“ Erfahrung dahinter. Hat womöglich die Kulisse des Konrad-Plüsch-Theaters, das immerhin schon seit fünf Generationen besteht, schon einmal gebrannt?
Da es weder Konrad Plüsch noch sein gleichnamiges Theater außerhalb von Horst Helfrichs Lustspiel „Die Himmelfahrt der Oktavia Schlüter“ gibt, wird diese Frage unbeantwortet bleiben. Möglich wäre ja aber, dass der Charakter des Konrad Plüsch eine vielleicht etwas überzogene Projektion der Person Horst Helfrich ist. Womöglich wurde der Spruch „Da brennt doch die Kulisse!“ von Herrn Helfrich selbst benutzt.
Doch woher nimmt er diese Redewendung?
Es ist ja durchaus möglich, dass er sich gut in der Theatergeschichte auskennt und somit weiß, dass am 14. Januar 1823 die Kulisse des Münchener Nationaltheaters während einer Opernaufführung Feuer gefangen hat, woraufhin das ganze Theater niedergebrannt ist. Dazu würde jedenfalls der Ausspruch von Margie, einer Schauspielerin des Konrad-Plüsch-Theaters, passen, der lautet: „...dann brennt nicht nur die Kulisse, dann steht das ganze Theater in Flammen.“
Ein, wenn man davon bei einem Theaterbrand reden kann, lustiger Aspekt dieses Ereignisses ist die Art und Weise, wie dieser Brand gelöscht worden ist. Da nämlich alle Teiche, aus denen üblicherweise das Löschwasser geschöpft wurde, zugefroren waren, nahm man kurzerhand Bier aus der gegenüberliegenden Brauerei. Man stelle sich einmal vor, die Aula des MGB würde brennen und müsste mit Borbecker Dampfbier gelöscht werden...
Doch wir können wohl dank der ausreichenden Brandschutzbestimmungen hier davon ausgehen, dass es weder zu einem Kulissen- noch zu einem Aulabrand kommen wird.
Und so können Sie sich zurücklehnen und sich frei von Befürchtungen freuen auf fünfzehn Mal „Da brennt doch die Kulisse!“ von Herrn Theaterdirektor Konrad Plüsch.