Mayhew: „Was macht der Hexenschuss?“
Carter: „Ich spüre ihn nur, wenn der Wind aus östlicher Richtung kommt. Danke der Nachfrage, Mr. Mayhew.“
Bereits bei einer der ersten Proben kam mir diese Aussage seltsam vor. Man könnte sagen, es „klingelte“, ja es klingelte. Hatte ich nicht während meiner Schulzeit im Geschichts- und Englischunterricht bei Frau Westphal sowie bei einem Londonbesuch, gelernt, dass in London so gut wie nie Ostwind weht? Eine kurze Recherche bestätigte meine Vermutung. In London bzw. in Südengland herrscht an sieben von zehn Tagen Westwind. Die Tage, an denen starker Ostwind weht, summieren sich im Jahr auf nur ganz wenige Wochen.
Dieser Faktor hatte in London auch Auswirkungen auf die Stadtstruktur. Im Zuge der Industrialisierung, welche bekanntermaßen ihren Anfang in Großbritannien nahm, siedelten sich Industrie und Gewerbe im Osten der Stadt an, damit der vorherrschende Westwind den Qualm und Gestank der Industrieanlagen aus der Stadt weg nach Osten trug. Im Westen der Stadt entstanden somit die Wohngebiete der Mittel- und Oberschicht. Obgleich das London der Gegenwart nicht mehr durch die Industrien des 19. Jahrhunderts geprägt ist, sondern sich ähnlich dem Ruhrgebiet einem „Strukturwandel“ unterziehen musste, blieben alte Muster erhalten. Im Osten der Stadt befinden sich heute die sozialen Brennpunkte, dort leben die Menschen, die an der Armutsgrenze leben oder diese bereits unterschritten haben. Zudem haben diese Stadtteile auch eine höhere Verbrechensrate. Im Westen der Stadt bietet sich meist ein anderes Bild. Hier ist die Bebauung nicht so dicht wie im Osten. Meist sind es kleine Einfamilienhäuser oder teure Apartments, die das Stadtbild in diesem Teil Londons prägen.
Auch der Flugverkehr der englischen Hauptstadt ist vom Westwind geprägt. Flugzeuge fliegen Heathrow generell, also bei West- oder auch leichtem Ostwind, über die Stadt an. Aus dieser Richtung gibt es zwei Einflugschneisen, während Heathrow an den wenigen Ostwind-Tagen von Osten her lediglich nur über eine Einflugschneise angeflogen werden kann.
Somit lässt sich zusammenfassend feststellen, dass der Hexenschuss des guten Mr. Carter kaum noch schmerzen kann, denn er sagt: „Ich spüre ihn nur, wenn der Wind aus östlicher Richtung kommt.“