TheaterLaien e.V. Theater Essen Borbeck
 
 
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Besser Borbeck als Andorra
 

TheaterLaien beeindrucken durch ganz und gar nicht laienhaftes Spiel

Mit Max Frischs "Andorra" brachte das TheaterLaien am Wochenende ein dramatisches Stück der Feigheit und Vorurteile auf die Bühne. Die Inszenierung von Thomas Krieger brachte den Laienschauspielern unter der Gesamtleitung von Tim Meier viel Publikum und tosenden Beifall.

In Max Frischs "Andorra" geht es um den Antisemitismus und seine Folgen. Die Bewohner der Kleinstadt Andorra glauben, dass der Junge Andri, Pflegesohn eines Lehrers, ein Jude sei, begegnen ihm darum mit Vorurteilen und dichten ihm "typische" Verhaltensweisen an. Als der Lehrer schließlich zugibt, dass Andri sein leiblicher Sohn und damit kein Jude ist, glauben sie ihm nicht und verhindern auch nicht, dass Andri hingerichtet wird. Trotzdem behaupten alle Einwohner, keine Schuld am Tod Andris zu tragen.

Mit Jennifer Choryan und Jonas Ecker hatte sich das Ensemble zwei guter Hauptdarsteller ausgesucht. Jennifer Choryan spielte die Barblin in allen Lebenslagen überzeugend: Fröhlich lud sie zum mitmachen ein, traurig empfand man ihre Gefühle nach.

Jonas Ecker zeigte die innere Zerrissenheit des Andri und machte seine Entwicklung deutlich: Mit den Vorteilen der Andorraner konfrontiert, möchte er nicht anders sein als sie; als er akzeptiert, anders zu sein und die erwarteten Verhaltensweisen annimmt, erfährt er, dass er eigentlich doch nicht anders ist, will es aber nicht mehr glauben.

Großartig auch die Darbietung von Marc Weitkowitz: Er spielte den Judenschauer überzeugend - und ohne ein Wort zu sagen. Seine Mimik, unterstützt von seinen Gestiken, war derart ausdrucksstark, dass auch in der letzten Reihe seine Funktion und der Schrecken, der von ihm ausging, klar erkennbar waren. Marco Heckhoff zeigte seine rüde Seite: die Zuschauer konnte der einstige "Romeo" auch als gemeiner Soldat, der provoziert und prügelt, begeistern. Nicht zuletzt durch diesen Soldaten entwickelte sich "Andorra" zu einem actionreichen Stück: Freie Oberkörper, Schlägereien und waschechte Stunts brachten Leben auf die Bühne - und ins Publikum.

Das Stück kam mit wenigen, aber wirksamen Kulissen aus: Ein paar Stühle und ein Tisch ergänzten die Wand mit Tür, die man nach Belieben drehen, verschieben und wenden und sie so mal als Fassade der Kneipe oder Wand der Küche im Haus des Lehrers nutzen konnte. Allzeit bedrohlich und präsent war der Judenpfahl: Er stand unbeweglich und fest in einer Ecke der Bühne.

Das Publikum jedenfalls zeigte sich beeindruckt von der eindringlichen Darbietung des Schauspiel-Ensembles: Während die Zuschauer am Ende der Vorstellung die Schauspieler mit tosendem Applaus feierten, waren sie froh, in Borbeck und nicht den Andorra zu sein.
   
 
Borbecker Nachrichten vom 15. März 2007