"Theater Laien" mit Cyrano de Bergerac in Geschwister-Scholl
"Ein gelungener Abend", lautete die einhellige Meinung der etwa 180 Besucher, die in die Aula der Geschwister-Scholl-Realschule gekommen waren, um die Verskomödie "Cyrano de Bergerac" von Edmond Rostand zu sehen. Das "Theater Laien" hatte - in einer Überarbeitung von Oliver Schürmann - das Stück aufgeführt.
Geradezu phantastisch, welche Ausdruckskraft der Hauptdarsteller, Marc Weitkowitz, dem Cyrano de Bergerac zu verleihen wußte; geradeso, als ob er sich mit diesem tragikomischen Helden identifiziert habe. Mehr noch: Das Publikum selbst vermochte er anzusprechen.
Die Aufführung hält sich nicht sklavisch an die Vorgaben von Edmond Rostand. Vielmehr wird beispielsweise der erste Akt erheblich gekürzt, ohne daß dadurch allerdings etwas von der Vielfalt und der Tragikomik, insbesondere der ungeheuren Wortklauberei, verlorengeht.
Interessant ist schon die Einführung: ein leerer Stuhl, darauf ein verstaubtes Buch, daneben ein sechsarmiger Kerzenleuchter. Zu ruhigen Weisen auf der Geige wird gleichsam ein Prolog gelesen, der den Zuschauer in das Stück, die Zeit und die Person des Cyrano de Bergerac (1619-1655) einführt. Schließlich handelt es sich bei dem Stück um die Lebensgeschichte des Gascogner Dichters, Philosophen, Soldaten, Haudegens und Phantasten.
Er war bekannt geworden sowohl durch sein abenteuerliches Leben und seine kuriose Erscheinung - eben der überlangen Nase - als auch durch seine "Reiseberichte" von den "Reichen des Mondes und der Sonne". Edmond Rostand machte aus dem Leben dieses außergewöhnlichen Menschen eine romantische Komödie, eingebettet in das bunte Treiben des Pariser Lebens im 17. Jahrhundert.
Der häßliche, aber liebevoll-geistreiche Cyrano (Marc Weitkowitz) verliebt sich in seine schöne Cousine Roxane (Frauke Krüger). Diese hat sich jedoch in einen anderen verliebt, den schönen, aber dummen Christian (Björn Huestege), und bittet Cyrano, diesen unter seine Obhut zu nehmen. Christian wendet sich nun an Cyrano, er solle für ihn Liebesbriefe an Roxane schreiben, was Cyrano auch tut. Mehr noch: Im Schutz der Dunkelheit verleiht er Christian seine Sprache für eine Liebeserklärung an Roxane.
Aber es gibt, noch einen dritten Rivalen, der ebenfalls um die Gunst Roxanes wirbt, der Hauptmann Carbon von Castel-Jaloux (Oliver Schürmann). Er kommandiert die Einheit, in der Cyrano und Christian Militärdienst leisten, zur Belagerung von Arras ab - praktisch ein Todeskommando.
Cyrano führt nun den Briefwechsel zwischen Christian und Roxane, und als dieser verwundet wird, drückt Cyrano dem Sterbenden noch eine letzte innige Liebeserklärung für Roxane in die Hand.
Die herbeigereiste Roxane liest zutiefst erschüttert die Zeilen und geht ins Kloster. Hier besucht sie ihr Vetter Cyrano jeden Samstag. Doch erst als Cyrano tödlich verwundet ist, erfährt Roxane, wer die Briefe geschrieben hatte.
Cyrano, der immer zur Stelle ist, wenn es, gilt, mit dem Degen dreinzufahren, ist unfähig, seine Liebe zu zeigen, weil er von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt wird, die er eben nur durch seine Sprache und sein Draufgängertum zu überspielen weiß.
Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die letzte Szene: Cyrano stirbt nicht - Wie von Edmond Rostand vorgegeben - in den Armen von Roxane. Vielmehr wird das erste Bühnenbild wieder aufgegriffen: Das Leben ist ein Theater. Es dreht sich im Kreis.