TheaterLaien e.V. Theater Essen Borbeck
 
 
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Komisch und spannend
 

„TheaterLaien“ ließ die Zuschauer „very british“ miträtseln

Dass Spannung und Humor sich nicht ausschließen müssen, bewies das Ensemble des TheaterLaien. Bei Agatha Christies „Zeugin der Anklage“ konnten die Zuschauer bis zum Ende miträtseln und sich immer wieder köstlich über britischen Humor amüsieren.

Nach dem komödiantischen Herbst hatten sich die Schauspieler des TheaterLaien wie in jedem Jahr für den Frühling unter der Regie von Thomas Krieger und der Gesamtleitung von Tim Meier ein ernsteres, spannendes Stück ausgesucht: Agatha Christies „Zeugin der Anklage“, ein Kriminalstück in drei Akten, war dem jungen Ensemble wie auf den Leib geschrieben. Spannung bis zur letzten Minute, aber auch viele Szenen in denen die Schauspieler ihren Witz unter Beweis stellen konnten – beim Publikum kam das gut an. „Was macht der Hexenschuss?“ – „Ich spüre ihn nur, wenn der Wind aus östlicher Richtung kommt.“ Damit jeder Zuschauer diese humoristische Einlage verstand, erklärte das TheaterLaien den lustigen Hintergrund gleich im Programmheft: In London, dem Ort des Geschehens auf der Bühne, weht so gut wie nie Ostwind.

In „Zeugin der Anklage“ ist Leonard Vole des Mordes an einer älteren Dame angeklagt worden. Sein Motiv ist überzeugend: Er ist Haupterbe des beträchtlichen Vermögens der Toten. Doch obwohl alles so eindeutig gegen ihn zu sprechen scheint, glaubt Strafverteidiger Sir Wilfrid Robarts dem jungen Mann, dass er unschuldig ist, und entschließt sich, ihn vor Gericht zu vertreten. Der ohnehin schon schwierige Fall wird noch brisanter, als Leonard Voles Ehefrau Romaine, die wichtigste Entlastungszeugin, plötzlich nicht mehr bereit ist, ihrem Mann ein Alibi zu geben und ihn sogar schwer belastet. Doch damit nicht genug: Eine überraschende Wendung jagt in diesem Stück die nächste und am Ende müssen die Zuschauer feststellen, dass selbst als sie meinen, die Lösung des Rätsels endlich zu kennen, am Ende alles ganz anders ist als erwartet.

Restlos überzeugen konnte Marc Weitkowitz in seiner Rolle als Sir Wilfrid. Er war die perfekte Besetzung für den ernsten Rechtsanwalt und wusste sowohl in Zivilkleidung in seinem vornehmen Büro  inklusive Foto von Agatha Christie auf dem Kaminsims!  als auch in schwarzer Robe und weißer Perücke im Gerichtsgeschehen zu überzeugen. Den listigen Anwalt spielte er in beeindruckender Weise, bewies ein gutes Gespür für die richtigen Pausenlängen und hatte nicht selten die Lacher auf seiner Seite.

Gewohnt gut war auch das Schauspiel von Marco Heckhoff als Leonard Vole. Er ließ den Angeklagten erst sympathisch, aber leicht naiv erscheinen  die Zuschauer waren sicher: Der Mann kann kein Wässerchen trüben! Zum Ende des Stücks hin allerdings veränderte der 25Jährige sein Spiel und damit änderte sich auch die Sicht der Zuschauer auf Vole.

Nach drei Jahren Bühnenabstinenz mit der ersten großen Rolle zurück auf der Bühne des TheaterLaien war Gerlinde Stolz als Romaine, der deutschen Ehefrau des Angeklagten. Sie spielte die undurchsichtige Frau, die von der Hauptentlastungszeugin eben zur titelgebenden Zeugin der Anklage wird, sehr authentisch. Bis kurz vorm Ende des Stückes konnte sie die eigentlichen Absichten der berechnenden Frau verschleiern.

Ovationen gab es so auch nach dem überraschenden Ausgang des Kriminalstücks: Das TheaterLaien schafft es jedes Mal, einen kurzweiligen Theaterabend zu gestalten!
 
Borbecker Nachrichten vom 02. April 2009